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Haftungssichere Dokumentation – Geht das?

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Trotz sorgfältigster Konstruktion kann im Zusammenhang mit einem Produkt ein Sach- oder sogar ein Personenschaden entstehen. Genau diese Situation fürchtet jedes Unternehmen, denn die Folge können sehr hohe Schadensersatzansprüche sein. Eine Schadensursache kann eine fehlerhafte Benutzerdokumentation sein, etwa wenn ein notwendiger Warnhinweis im Vorfeld einer Handlungsabfolge fehlt. Eine vollständige und konforme Benutzerdokumentation leistet demnach einen großen und wichtigen Beitrag zur Minimierung des Haftungsrisikos. Oft ist in diesem Zusammenhang die Rede von einer „haftungssicheren“ Dokumentation.

Doch kann eine Dokumentation überhaupt haftungssicher sein, die noch keiner Untersuchung vor Gericht standhalten musste, und was bedeutet „haftungssicher“ überhaupt?

Vor Ansprüchen sicher?

„Haftungssicher“ bedeutet juristisch nicht angreifbar und somit vor jeglichem Schadensanspruch geschützt zu sein. Keine Dokumentation und kein Hersteller können das garantieren. Ein Beispiel: Eine potenziell unzureichende Konstruktion eines Produkts mit fehlender oder fehlerhafter Risikobeurteilung erhöht das Risiko eines Schadens und der folgenden Haftung. Solche Fehler kann die Benutzerdokumentation nicht mehr ausgleichen.

Neben einer fehlerhaften Konstruktion macht vor allem der Umstand eine haftungssichere Dokumentation unmöglich, dass Gesetze und Normen häufig uneindeutig und interpretierbar sind. So lassen sich sowohl Richtlinien- als auch Normentexte meist in mehrfacher Hinsicht deuten. Dabei ist irrelevant, wie gewissenhaft eine Benutzerdokumentation erstellt und eine gesetzliche oder normative Anforderung umgesetzt wird: Ein Gutachter oder ein Richter kann den konkreten Sachverhalt möglicherweise unter anderen Gesichtspunkten bewerten. Daher besteht immer ein gewisser Interpretationsspielraum, wenn zuständige Personen Anforderungen auslegen.

Wer beeinflusst die Inhalte einer Technischen Dokumentation?

Eine Technische Redaktion ist in einem Unternehmen stark vom Informationszufluss aus anderen Abteilungen abhängig. Um eine vollständige Benutzerdokumentation erstellen zu können, müssen Technische Redakteure verschiedene produkt-, kunden- und firmenspezifische Aspekte berücksichtigen. Diese Informationen werden unter anderem aus der Konstruktion, dem Einkauf und dem Kundenservice von der Technischen Redaktion zusammengetragen.

Neben der externen Dokumentation für den Benutzer sind diese Prozesse auch für die interne Dokumentation von Entscheidungen bezüglich der Produktentwicklung essenziell. Wenn die Prozesse nachvollziehbar umgesetzt werden, lässt sich im Ernstfall der Vorwurf der Fahrlässigkeit erfolgreicher abwehren, weil die interne Dokumentation den Entscheidungsprozess belegen kann.

Grundlage für sicherheitsbezogene Informationen: Risikobeurteilung

Die Risikobeurteilung trägt als Teil der internen Dokumentation einen wesentlichen Teil zur Benutzerdokumentation bei. Bei Produkten, für die per Gesetz eine Risikobeurteilung während der Konstruktion durchgeführt werden muss, sollte die Risikobeurteilung auch Quelle für sicherheitsbezogene Informationen in sämtlichen Informationsprodukten sein. Im Zuge der Risikobeurteilung werden Grenzen des Produkts definiert, bestehende Risiken erkannt und beseitigt oder minimiert.

Zudem muss vor den Restgefahren gewarnt werden. Die sicherheitsbezogenen Informationen einer Dokumentation können maximal so gut sein, wie die zugrunde gelegte Risikobeurteilung und das Produkt selbst. Ein gefährliches Produkt, das aktuelle Sicherheitsstandards nicht einhält, bleibt gefährlich und ein Risiko, auch wenn die Benutzerdokumentation davor warnt.

Die Utopie der vollständigen Haftungssicherheit

Abschließend ist deutlich zu sagen: Eine vollständige Haftungssicherheit existiert nicht und ist unter keinen Umständen zu erreichen. Eine vollständige Benutzerdokumentation ist aber durchaus im Stande, das Haftungsrisiko zu minimieren. Um eine Dokumentation und somit das Unternehmen geringfügiger juristisch angreifbar zu machen, bleiben der Technischen Redaktion wesentlich mehr Möglichkeiten als Sicherheits- und Warnhinweise:

  • Zielgruppengerechte Verständlichkeit
  • Vollständigkeit
  • Verfügbarkeit
  • Lokalisierung
  • Recherche und Einhaltung lokaler rechtlicher Anforderungen bzw. Compliance

Konkrete Schritte gestalten sich unterschiedlich und sind abhängig vom jeweiligen Unternehmen. Wenn Sie Unterstützung bei der Umsetzung benötigen, helfen wir Ihnen gerne weiter.

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